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Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft: Aufgaben, Gehalt und warum die Rolle kaum zu besetzen ist

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4 Min. Lesezeit

Ein Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft verantwortet Projekte der Regen- und Abwasserableitung von der Planung bis zur Abnahme: Kanalneubau, Kanalsanierung, Regenrückhaltebecken, Pumpwerke und den Umbau von Misch- in Trennsysteme. Er steuert Kosten, Termine und Qualität und ist zentraler Ansprechpartner für Auftraggeber, Behörden und ausführende Firmen.


Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft

Die Rolle gehört zu den am schwersten besetzbaren im Tiefbau. Der Sanierungsbedarf im Kanalnetz wächst, gleichzeitig gibt es nur wenige Ingenieure mit Erfahrung in Entwässerungsprojekten. Dieser Beitrag zeigt Aufgaben, Anforderungen, Gehalt und was Unternehmen bei der Besetzung beachten sollten.


Inhaltsverzeichnis




Was macht ein Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft?


Der Projektleiter ist die zentrale Steuerungsfunktion in Projekten der Stadtentwässerung. Er trägt die Verantwortung für das Gesamtergebnis, nicht für einzelne Bauabschnitte.


Typische Aufgaben:


  • Projektsteuerung: Termin-, Kosten- und Kapazitätsplanung über alle Projektphasen

  • Technische Verantwortung: Prüfung von Entwässerungsplanung, hydraulischen Nachweisen und Ausführungsunterlagen

  • Vergabe und Verträge: Ausschreibungen, Angebotsprüfung, Nachtragsmanagement

  • Genehmigungen: Abstimmung mit Wasserbehörden und Kommunen, wasserrechtliche Erlaubnisse

  • Koordination: Steuerung von Bauleitern, Planern, Nachunternehmern und Versorgungsträgern

  • Abnahme und Dokumentation: Dichtheitsprüfungen, TV-Inspektion, Übergabe an den Netzbetreiber


Je nach Arbeitgeber liegt der Schwerpunkt anders. Im Bauunternehmen steht die Ausführung im Vordergrund, im Ingenieurbüro Planung und Bauüberwachung, beim kommunalen Entwässerungsbetrieb die Bauherrenvertretung.


Warum der Bedarf an Projektleitern steigt


Das öffentliche Kanalnetz in Deutschland ist rund 594.000 Kilometer lang. Laut der Kanalumfrage der DWA sind hochgerechnet 18,7 Prozent davon kurz- bis mittelfristig sanierungsbedürftig. Die derzeitige Sanierungsrate von rund einem Prozent pro Jahr reicht nach DWA-Einschätzung nur aus, um den Zustand zu halten, nicht um ihn zu verbessern.


Auch die Kommunen sehen Handlungsbedarf: Im KfW-Kommunalpanel 2024 bewerteten 16 Prozent den Investitionsrückstand bei der Wasserver- und -entsorgung als gravierend, weitere 40 Prozent als nennenswert.


Hinzu kommen neue Aufgaben im Regenwassermanagement. Starkregenereignisse, der Umbau von Misch- zu Trennsystemen und Konzepte der wassersensiblen Stadt erhöhen die Zahl der Projekte. Jedes dieser Projekte braucht einen Projektleiter, der Technik, Recht und Bauablauf zusammenbringt.


In den laufenden Suchaufträgen der TOPEOPLE GROUP sind Projektleiter für Regen- und Abwassersysteme als extrem schwer besetzbar eingestuft. Wie sich die Rolle im Vergleich zu anderen Engpassberufen einordnet, zeigt die Auswertung zu den Engpassberufen in der Baubranche.


Anforderungen und Qualifikationen



  • Studium: Bauingenieurwesen mit Vertiefung Siedlungswasserwirtschaft, Wasserwirtschaft oder Tiefbau

  • Berufserfahrung: in der Regel mindestens fünf Jahre in Kanal-, Leitungs- oder Tiefbauprojekten

  • Regelwerk: sichere Anwendung von DWA-Arbeitsblättern, DIN EN 752 und DIN EN 1610

  • Vergaberecht: Kenntnisse in VOB und, bei öffentlichen Auftraggebern, im Vergaberecht

  • Verfahren: Erfahrung mit offener und grabenloser Bauweise sowie Sanierungsverfahren

  • Führung: Steuerung von Bauleitern, Planern und Nachunternehmern


Die Kombination aus Entwässerungstechnik und Projektsteuerung ist der Engpass. Viele Bauingenieure haben eines von beidem, wenige beides.






Projektleiter, Bauleiter und Planer im Vergleich



Kriterium

Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft

Bauleiter Kanalbau

Planer Kanal und Entwässerung

Verantwortung

Gesamtprojekt: Kosten, Termine, Qualität

Ausführung auf der Baustelle

Entwurf, Hydraulik, Ausführungsplanung

Projektphasen

Planung bis Abnahme

Bauphase

Vor- bis Ausführungsplanung

Typische Ansprechpartner

Auftraggeber, Behörden, Geschäftsführung

Polier, Nachunternehmer, Projektleiter

Projektleiter, Behörden, Netzbetreiber

Führungsspanne

Mehrere Bauleiter und Planer

Baustellenteam

Meist keine disziplinarische Führung

Typische Qualifikation

Bauingenieur mit mehrjähriger Projekterfahrung

Bauingenieur oder Bautechniker

Bauingenieur Siedlungswasserwirtschaft


Mehr zu den angrenzenden Rollen zeigen der Glossarbeitrag zum Bauleiter Kanalbau und der Beitrag zum Planer für Kanal- und Entwässerungsprojekte.


Gehalt eines Projektleiters Siedlungswasserwirtschaft


Im öffentlichen Dienst werden Projektleiter in kommunalen Entwässerungsbetrieben meist nach TVöD VKA eingruppiert, je nach Verantwortung in E11 bis E13. Die Werte gelten ab Mai 2026, ohne Jahressonderzahlung.


Entgeltgruppe TVöD VKA

Monatlich brutto

Jährlich brutto (12 Monate)

E11

4.270 bis 6.327 €

rund 51.200 bis 75.900 €

E12

4.416 bis 6.900 €

rund 53.000 bis 82.800 €

E13

4.901 bis 7.026 €

rund 58.800 bis 84.300 €


In Bauunternehmen und Ingenieurbüros wird das Gehalt frei verhandelt. Bei Engpassrollen wie dieser liegen Angebote erfahrener Kandidaten häufig am oberen Rand oder über den TVöD-Spannen, oft ergänzt um Firmenwagen und Erfolgsbeteiligung. Entscheidend sind Projektvolumen, Führungsspanne und Region.


Was Unternehmen bei der Besetzung beachten sollten


Den Kandidatenmarkt realistisch einschätzen. Erfahrene Projektleiter in der Siedlungswasserwirtschaft sind fast immer fest angestellt und suchen nicht aktiv. Stellenanzeigen erreichen nur einen kleinen Teil des Marktes.


Mit öffentlichen Arbeitgebern rechnen. Kommunale Betriebe werben mit Planbarkeit und Tarifbindung. Private Arbeitgeber sollten klar zeigen, was sie dagegen bieten: Projektvielfalt, Entwicklungsweg, Gehaltsrahmen.


Anforderungen priorisieren. Wer Erfahrung in Entwässerungsprojekten, Führung und Vergaberecht gleichzeitig verlangt, sucht sehr lange. Sinnvoll ist eine klare Trennung zwischen Muss-Kriterien und Themen, die sich einarbeiten lassen.


Früh starten. Zwischen Suchbeginn und Arbeitsantritt liegen bei dieser Rolle meist mehrere Monate, Kündigungsfristen eingerechnet.


Als Personalvermittlung für Bau und Infrastruktur besetzt TOPEOPLE Projektleiter im Tief- und Kanalbau über Direktansprache. Einen Überblick über die Branche gibt der Beitrag zur Siedlungswasserwirtschaft, Grundlagen der Rolle der Glossarbeitrag zum Projektleiter Tiefbau.



Du bist Projektleiter im Abwasserbereich?


Projektleiter mit Erfahrung in Regen- und Abwasserprojekten gehören zu den gefragtesten Fachkräften im Tiefbau. Wenn du wissen willst, welche Projekte und Konditionen aktuell möglich sind, findest du offene Positionen auf unserer Jobs-Seite.






Häufige Fragen zum Projektleiter Siedlungswasserwirtschaft


Er verantwortet Projekte der Regen- und Abwasserableitung von der Planung bis zur Abnahme, etwa Kanalneubau, Kanalsanierung, Regenrückhaltebecken oder Pumpwerke. Er steuert Kosten, Termine und Qualität, koordiniert Planer, Bauleiter und Nachunternehmer und stimmt sich mit Auftraggebern und Behörden ab.

In der Regel ein Studium im Bauingenieurwesen mit Vertiefung Siedlungswasserwirtschaft oder Tiefbau sowie mehrjährige Erfahrung in Kanal- oder Leitungsbauprojekten. Gefragt sind Kenntnisse der DWA-Regelwerke, der VOB und des Vergaberechts sowie Erfahrung in der Führung von Projektteams.

Im öffentlichen Dienst liegt das Gehalt nach TVöD VKA meist in den Entgeltgruppen E11 bis E13, also bei rund 51.000 bis 84.000 Euro brutto im Jahr ohne Jahressonderzahlung. In Bauunternehmen und Ingenieurbüros wird frei verhandelt, häufig ergänzt um Firmenwagen und Erfolgsbeteiligung.

Der Bauleiter verantwortet die Ausführung auf der Baustelle. Der Projektleiter verantwortet das Gesamtprojekt von der Planung bis zur Abnahme, einschließlich Kosten, Terminen, Verträgen und Behördenabstimmung. Er führt in der Regel mehrere Bauleiter und Planer.

Gefragt ist eine seltene Kombination aus Entwässerungstechnik und Projektsteuerung. Gleichzeitig steigt der Bedarf, weil laut DWA knapp ein Fünftel des Kanalnetzes kurz- bis mittelfristig saniert werden muss. Erfahrene Projektleiter sind fast immer fest angestellt und suchen nicht aktiv.

Über Stellenanzeigen meist nur schwer, weil kaum erfahrene Kandidaten aktiv suchen. Wirksamer ist die Direktansprache durch jemanden, der den Kandidatenmarkt im Tief- und Kanalbau kennt. Klar priorisierte Anforderungen und ein marktgerechter Gehaltsrahmen verkürzen die Suche.



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