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Leistungsphase 6

Die Leistungsphase 6 (Vorbereitung der Vergabe) nach HOAI ist die Brücke zwischen der Ausführungsplanung (LPH 5) und der eigentlichen Vergabe der Bauleistungen (LPH 7). In dieser Phase werden die detaillierten Ausführungspläne in Leistungsbeschreibungen und Ausschreibungsunterlagen überführt, die später den Bietern (Bauunternehmen, Handwerksbetrieben) zur Verfügung gestellt werden.


Damit ist die LPH 6 ein entscheidender Schritt, um sicherzustellen, dass Bauunternehmen auf einer klaren, vollständigen und vergleichbaren Grundlage ihre Angebote erstellen können.

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Inhalte der LPH 6


  • Erstellung von Leistungsverzeichnissen (LV) für alle Gewerke

  • Beschreibung der Bauleistungen in Textform und Mengenangaben

  • Aufstellung von Mengenermittlungen auf Basis der Ausführungspläne

  • Zusammenführung der Ausschreibungsunterlagen (inkl. Pläne, technische Nachweise)

  • Koordination der Fachplanungen (Architektur, Statik, TGA, Brandschutz, Bauphysik) für einheitliche Ausschreibungen

  • Abstimmung mit dem Bauherrn über Vergabestrategie (Einzelgewerke, Generalunternehmer, GU/TU)

  • Vorbereitung der Ausschreibung (national oder EU-weit, je nach Projektvolumen)



Typische Einsatzbereiche

Die LPH 6 ist bei allen Bauprojekten unverzichtbar:

  • Wohnungsbau – Erstellung von Leistungsverzeichnissen für Rohbau, Ausbau, TGA

  • Gewerbe- und Industriebauten – komplexe Ausschreibungen für technische Anlagen

  • Infrastrukturprojekte – Straßen, Schienen, Brücken mit zahlreichen Fachlosen

  • öffentliche Projekte – Ausschreibungen nach VOB/A oder VgV mit besonderen Formalitäten



Bedeutung für den Projekterfolg

Die LPH 6 hat große Bedeutung, weil sie:

  • die Basis für die Vergabe an Bauunternehmen bildet,

  • eine vergleichbare Angebotslage schafft, um faire Vergaben zu ermöglichen,

  • Kosten- und Terminsicherheit für den Bauherrn verbessert,

  • durch eine gute Vorbereitung Nachträge und Streitigkeiten während der Bauausführung reduziert.



Abgrenzung zu LPH 5 und LPH 7

  • LPH 5 (Ausführungsplanung): Erstellung detaillierter Pläne und Konstruktionsdetails.

  • LPH 6 (Vorbereitung der Vergabe): Übertragung der Pläne in Leistungsverzeichnisse und Ausschreibungsunterlagen.

  • LPH 7 (Mitwirkung bei der Vergabe): Prüfung und Bewertung von Angeboten, Vergabeempfehlung.

Klassische Ausbildungs- und Studienwege


Die Vorbereitung der Vergabe erfordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch rechtliche und wirtschaftliche Kompetenzen, da hier die Grundlagen für die Bauverträge gelegt werden.


  • Studium (klassischer Weg):

    • Bauingenieurwesen (Bachelor/Master) – Schwerpunkte Bauprojektmanagement, Baubetrieb, Kalkulation

    • Architektur (Bachelor/Master) – mit Praxis in Ausschreibung und Vergabe

    • Wirtschaftsingenieurwesen Bau – Fokus auf Baukosten, Controlling, Vertragsmanagement

    • Technische Gebäudeausrüstung (TGA) – Ausschreibungen für komplexe technische Gewerke

    • Projektmanagement im Bauwesen – Spezialisierung im Master oder Zertifikatslehrgang


  • Praxisorientierte Wege:

    • Bautechniker:in mit Schwerpunkt Baubetrieb oder Bauleitung

    • Bauzeichner:in mit Weiterbildung im Bauprojektmanagement

    • Polier:innen oder Bauleiter:innen, die sich auf Ausschreibungsprozesse spezialisiert haben



Voraussetzungen

Fachkräfte in der LPH 6 benötigen ein klares Verständnis von Technik, Kosten und Recht.

  • Kenntnisse im Vergaberecht (VOB/A, VgV, HOAI)

  • Sicherheit in der Erstellung von Leistungsverzeichnissen (LV)

  • Fähigkeit zur Mengenermittlung aus Plänen und Modellen (BIM)

  • Kostenbewusstsein, um Ausschreibungen wirtschaftlich zu gestalten

  • Präzision und Struktur, da Fehler zu Vergabestreitigkeiten führen können

  • Kommunikationskompetenz, um Bauherr:innen und Fachplaner:innen zu koordinieren



Bildungseinrichtungen & Hochschulen

In Deutschland gibt es zahlreiche Hochschulen und Weiterbildungsinstitute mit Spezialisierung auf Bauvergaberecht und Bauprojektmanagement:

Ort / Region

Bildungsträger / Hochschule

Angebot

Aachen

RWTH Aachen

Bauingenieurwesen, Baubetrieb, Projektmanagement

Berlin

TU Berlin

Bauingenieurwesen, Architektur, Bauwirtschaft

München

TU München (TUM)

Bauingenieurwesen, Architektur, Wirtschaftsingenieurwesen Bau

Weimar

Bauhaus-Universität Weimar

Projektmanagement, Bauwirtschaft

Stuttgart

Universität Stuttgart

Baubetrieb, Architektur

Hamburg

HafenCity Universität (HCU)

Bauingenieurwesen, Architektur

praxisorientiert

IHK & Handwerkskammern

Seminare zu VOB/A, Vergabe- und Vertragsrecht

spezialisiert

DB Training, Learning & Consulting

Ausschreibungs- und Vergabetraining im Infrastrukturbau



Häufig beteiligte Berufe in LPH 6

  • Architekt:innen – Erstellung von Leistungsverzeichnissen im Hochbau

  • Bauingenieur:innen – Ausschreibungen für Rohbau, Tiefbau und Ingenieurbauwerke

  • TGA-Fachplaner:innen – Leistungsverzeichnisse für Haustechnik und technische Gewerke

  • Bauphysiker:innen / Brandschutzplaner:innen – spezialisierte Nachweise für Ausschreibungen

  • Projektmanager:innen im Bauwesen – Koordination und Schnittstelle zum Bauherrn

  • Kalkulator:innen – Beratung bei Kostenansätzen und Mengenermittlungen



Weiterbildung & Zusatzqualifikationen

  • Zertifikatslehrgänge Vergaberecht (VOB/A, VgV)

  • Seminare HOAI und Vertragsmanagement

  • BIM-Schulungen für Mengenermittlung und LV-Erstellung

  • Fortbildungen Baukostenmanagement

  • Software-Trainings (AVA-Programme wie iTWO, California, Arriba)



Anforderungen im Alltag

Die Vorbereitung der Vergabe (LPH 6) erfordert äußerste Präzision und Struktur, da Fehler in Leistungsverzeichnissen oder Ausschreibungsunterlagen weitreichende Folgen haben können. Fachkräfte müssen sicherstellen, dass die Unterlagen sowohl rechtlich einwandfrei als auch technisch korrekt sind.


Zentrale Anforderungen:

  • Detailgenauigkeit bei der Erstellung von Leistungsverzeichnissen und Mengenermittlungen

  • Kenntnisse im Vergaberecht (VOB/A, VgV, GWB)

  • Sicherer Umgang mit AVA-Software (z. B. iTWO, California, Arriba)

  • Fähigkeit zur interdisziplinären Abstimmung mit Architektur, Statik, TGA, Bauphysik

  • Kosten- und Terminsicherheit bei der Planung von Ausschreibungen

  • Kommunikationsfähigkeit, um Bauherr:innen und Bieter:innen gleichermaßen zu beraten



Zusammenarbeit im Projektumfeld

In der LPH 6 arbeiten Fachkräfte eng mit Bauherr:innen und den beteiligten Planungsbüros zusammen, um klare und rechtskonforme Ausschreibungsunterlagen zu erstellen.

Rolle

Zusammenarbeit bei…

Bauherr:innen / Auftraggeber

Entscheidung über Vergabestrategie (Einzellose, GU/TU)

Architekt:innen

Erstellung der Leistungsverzeichnisse im Hochbau

Bauingenieur:innen

Mengenermittlung und LV-Erstellung für Roh- und Tiefbau

TGA-Fachplaner:innen

Ausschreibungen für Haustechnik, Elektro, Klima

Bauphysiker:innen / Brandschutz

Erstellung spezieller technischer Nachweise

Projektmanager:innen

Koordination der Vergabeunterlagen

Behörden

Prüfung der Ausschreibungen bei öffentlichen Projekten



Häufig beteiligte Unternehmen in LPH 6

In der Vorbereitung der Vergabe sind sowohl große Planungsbüros als auch Projektentwickler und öffentliche Auftraggeber involviert. Beispiele sind:

  • Architekturbüros: HPP Architekten (Düsseldorf), gmp Architekten (Hamburg)

  • Ingenieurbüros: Schüßler-Plan (Düsseldorf), WSP Infrastructure Engineering (München)

  • Fachplanungsbüros TGA: Drees & Sommer (Stuttgart), ILF Consulting Engineers (München)

  • Bauphysik & Gutachter: Arcadis Germany (Darmstadt), IGS Ingenieure (Nürnberg)

  • Projektentwickler: Hochtief Projektentwicklung (Essen), Ed. Züblin Projektentwicklung (Stuttgart)

  • Öffentliche Auftraggeber: Deutsche Bahn AG (Berlin), Stadt München – Referat für Stadtplanung und Bauordnung



Arbeitsbedingungen

Die LPH 6 ist stark von Büroarbeit, Dokumentation und Abstimmungen geprägt:

  • Einsatzort: Büro mit AVA-Software und Planungsdatenbanken, ergänzt durch Besprechungen

  • Arbeitsweise: strukturierte, prozessorientierte Abläufe mit vielen Schnittstellen

  • Zeitdruck: hoch, da Ausschreibungen fristgerecht veröffentlicht werden müssen

  • Verantwortung: sehr hoch, da unklare Ausschreibungen später zu Nachträgen oder Streitigkeiten führen können




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Gehalt (Stand 2025)


Die Gehälter in der Vergabevorbereitung bewegen sich im soliden oberen Mittelfeld, da juristische, technische und organisatorische Fähigkeiten gefragt sind.

Erfahrungsstufe

Brutto / Jahr (€)

Berufseinstieg (Architekt:in / Bauing.)

ca. 47.000 – 56.000 €

mit 3–5 Jahren Erfahrung

ca. 57.000 – 72.000 €

erfahrene Fachkräfte

ca. 73.000 – 86.000 €

Senior-Planer:innen / Projektleiter

ca. 87.000 – 105.000 €


Zusatzleistungen & Extras:

  • Bonuszahlungen bei erfolgreicher Vergabe

  • Weiterbildungen im Vergaberecht und Baukostenmanagement

  • Betriebliche Altersvorsorge

  • Flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice



Engpass bei Fachkräften

Die Vorbereitung der Vergabe (LPH 6) ist in Deutschland zunehmend vom Fachkräftemangel betroffen. Besonders gefragt sind Architekt:innen, Bauingenieur:innen, TGA-Planer:innen und Kalkulator:innen, die rechtssichere und technisch korrekte Leistungsverzeichnisse erstellen können. Fehlende Fachkräfte in dieser Phase führen oft zu unvollständigen Ausschreibungen, die im späteren Bauprozess zu Nachträgen und Konflikten führen.



Ursachen für den Fachkräftemangel

  • Demografischer Wandel – erfahrene Spezialist:innen für Ausschreibungsprozesse scheiden aus.

  • Nachwuchsmangel – wenige Studierende spezialisieren sich auf Bauwirtschaft und Vergabeverfahren.

  • Steigende Anforderungen – BIM-basierte Ausschreibungen, EU-weite Vergaben und Nachhaltigkeitsvorgaben erhöhen die Komplexität.

  • Projektboom – der gleichzeitige Bedarf an vielen Infrastruktur- und Hochbauprojekten überlastet die vorhandenen Kapazitäten.



Auswirkungen auf Projekte & Unternehmen

  • Vergabeverzögerungen, wenn Leistungsverzeichnisse unvollständig oder fehlerhaft sind.

  • Kostensteigerungen, da unklare Ausschreibungen zu Nachträgen führen.

  • Rechtsrisiken, wenn Vergaben nicht den Vorgaben von VOB/A oder VgV entsprechen.

  • Wettbewerbsnachteile für Unternehmen, die Ausschreibungen zu spät oder ungenau auf den Markt bringen.


Besonders betroffen sind Architekturbüros wie HPP oder gmp, Ingenieurbüros wie Schüßler-Plan oder WSP sowie öffentliche Auftraggeber wie die Deutsche Bahn AG oder Städte und Kommunen.



Chancen für Fachkräfte

Für Fachkräfte bietet die LPH 6 hervorragende Perspektiven:

  • hohe Arbeitsplatzsicherheit in Planungsbüros, bei Bauherren oder öffentlichen Auftraggebern

  • überdurchschnittliche Gehälter für Spezialist:innen in Vergabe- und Vertragswesen

  • spannende Projekte von Hochbau bis Großinfrastruktur

  • Aufstiegsmöglichkeiten in Projektleitung, Bauherrenvertretung oder im öffentlichen Dienst

  • Spezialisierungsmöglichkeiten im Vergaberecht, BIM-Ausschreibungen oder Vertragsmanagement



Was TOPEOPLE bietet

  • Für Unternehmen: TOPEOPLE unterstützt Architekturbüros, Ingenieurbüros und öffentliche Auftraggeber bei der Besetzung von Schlüsselpositionen in der Vergabevorbereitung. So können Ausschreibungen präzise, rechtssicher und termingerecht durchgeführt werden.


  • Für Fachkräfte: TOPEOPLE begleitet Architekt:innen, Ingenieur:innen und Kalkulator:innen bei ihrem nächsten Karriereschritt, vermittelt sie in spannende Vergabeprojekte und sorgt für langfristige Entwicklungsperspektiven.



Fazit


Die Leistungsphase 6 (Vorbereitung der Vergabe) ist der Schlüssel für eine erfolgreiche und wirtschaftliche Projektrealisierung. Präzise Ausschreibungsunterlagen sind die Grundlage für faire Wettbewerbsbedingungen, Kostensicherheit und einen reibungslosen Bauablauf.


Angesichts des Fachkräftemangels sind Expert:innen in dieser Phase besonders gefragt. Für Fachkräfte bedeutet dies exzellente Karrierechancen und hohe Sicherheit, während Unternehmen dringend auf spezialisierte Unterstützung angewiesen sind, um Bauprojekte rechtssicher und erfolgreich in die Ausführung zu bringen.

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