Leistungsphase 1
Die Leistungsphase 1 (LPH 1) nach der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) umfasst die Grundlagenermittlung. In diesem Schritt wird die Basis für jedes Bauvorhaben gelegt. Architekt:innen oder Ingenieur:innen klären gemeinsam mit dem Bauherrn die Aufgabenstellung, Rahmenbedingungen und Zielvorstellungen des Projekts.
Die LPH 1 ist entscheidend, da sie die Weichen für alle weiteren Planungs- und Bauphasen stellt. Werden in dieser Phase Fehler gemacht oder wichtige Aspekte übersehen, können sich diese im gesamten Bauprozess fortsetzen und erhebliche Mehrkosten verursachen.

Einordnung der Leistungsphase 0 (inoffiziell)
Vor der offiziellen LPH 1 spricht man in der Praxis oft von der Leistungsphase 0. Diese Phase ist in der HOAI nicht definiert, wird aber von vielen Bauherren und Planern genutzt, um Projekte noch vor der eigentlichen Grundlagenermittlung vorzubereiten.
Merkmale und Inhalte der LPH 0:
Bedarfsplanung: Klärung, ob und in welchem Umfang ein Bauprojekt überhaupt erforderlich ist
Standortanalysen: Eignung von Grundstücken, Machbarkeit in Bezug auf Erschließung und Bebauungsplan
Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen: Erste Kosten-Nutzen-Analysen, um die Projektidee zu bewerten
Stakeholder-Analysen: Einbeziehung von Nutzern, Investoren oder Behörden in die Zieldefinition
Definition von Projektzielen: Nachhaltigkeit, Funktionalität, Zeitplan, Budgetrahmen
Während die LPH 0 rechtlich nicht abrechenbar nach HOAI ist, wird sie oft über individuelle Honorarvereinbarungen geregelt. Sie schafft die Grundlage, damit die LPH 1 nahtlos starten kann.
Inhalte der LPH 1 – Grundlagenermittlung
Klären der Aufgabenstellung mit dem Auftraggeber
Erfassen der Rahmenbedingungen (rechtlich, technisch, wirtschaftlich)
Zusammentragen der Anforderungen der Nutzer:innen und Stakeholder
Prüfen vorhandener Unterlagen wie Grundstücksdaten, Gutachten oder Bestandspläne
Beratung zum gesamten Leistungsbedarf – z. B. ob Fachplaner (TGA, Statik, Brandschutz) hinzugezogen werden müssen
Erste Abstimmungen mit Behörden zur Klärung von Genehmigungsvoraussetzungen
Aufstellung eines groben Projektziels als Grundlage für die weitere Planung
Typische Einsatzbereiche
Die LPH 1 kommt in sämtlichen Bauprojekten zum Tragen, u. a. bei:
Hochbauprojekten (Wohnungsbau, Bürogebäude, Industriehallen)
Tiefbau und Infrastruktur (Straßenbau, Bahnbau, Brückenbau)
Sanierungen und Modernisierungen (Bestandsgebäude, Denkmalschutzprojekte)
Großprojekte (Krankenhäuser, Flughäfen, öffentliche Gebäude)
Relevanz für den Projekterfolg
Die LPH 1 ist entscheidend, weil sie:
die Basis für die Projektorganisation schafft,
für Kostensicherheit sorgt, indem die Ziele von Beginn an klar definiert werden,
die Grundlage für Genehmigungen und Abstimmungen legt,
spätere Fehlentscheidungen vermeidet, da Anforderungen frühzeitig erfasst werden,
die Zusammenarbeit zwischen Bauherr und Planer auf eine klare Grundlage stellt.
Klassische Ausbildungswege
Da die LPH 1 stark von der Architektur- und Ingenieurplanung geprägt ist, führt der Weg zu den beteiligten Tätigkeiten fast immer über ein Studium.
Studium (klassischer Weg):
Architektur (Bachelor/Master) – zentrale Zuständigkeit für Grundlagenermittlung
Bauingenieurwesen (Bachelor/Master) – v. a. bei Infrastrukturprojekten oder großen Bauvorhaben
Stadt- und Raumplanung – für Bedarfsanalysen und Standortbewertungen
Technische Gebäudeausrüstung (TGA) – für Vorprüfungen im Bereich Energie, Heizung, Lüftung, Klima
Wirtschaftsingenieurwesen Bau – für Kostenabschätzungen und Machbarkeitsanalysen
Praxisorientierte Wege (mit Aufstieg):
Bauzeichner:in mit Weiterbildung und Studium
Bautechniker:in oder Meister:in mit Spezialisierung auf Bauprojektmanagement
Voraussetzungen
Für Tätigkeiten in der LPH 1 sind folgende Kompetenzen erforderlich:
rechtliches Wissen (Baugesetzbuch, Landesbauordnungen, HOAI)
Fähigkeit zur Bedarfsanalyse (funktionale, technische und wirtschaftliche Anforderungen)
Kenntnisse im Umgang mit Gutachten und Bestandsunterlagen (Boden, Altlasten, Statik)
Kommunikationsfähigkeit, da Abstimmungen mit Auftraggeber:innen, Behörden und Stakeholdern zentral sind
Projektmanagement-Basiswissen, um Termine, Kostenrahmen und Projektziele frühzeitig zu strukturieren
Bildungseinrichtungen & Hochschulen
Architekt:innen und Ingenieur:innen, die in der LPH 1 tätig sind, haben in Deutschland zahlreiche Studienmöglichkeiten:
Ort / Region | Bildungsträger / Hochschule | Angebot |
Aachen | RWTH Aachen | Bauingenieurwesen, Architektur |
Berlin | TU Berlin | Architektur, Stadt- und Raumplanung |
München | TU München (TUM) | Architektur, Bauingenieurwesen |
Weimar | Bauhaus-Universität Weimar | Architektur, Urbanistik, Bauingenieurwesen |
Darmstadt | TU Darmstadt | Bauingenieurwesen, Architektur |
Stuttgart | Universität Stuttgart | Architektur, Bauphysik |
bundesweit | IHK & Handwerkskammern | Weiterbildung Bauprojektmanagement, HOAI |
praxisorientiert | DB Training, Learning & Consulting | Spezialisierungen im Projekt- und Bauwesen |
Häufig beteiligte Berufe in LPH 1
In der Leistungsphase 1 arbeiten verschiedene Fachrichtungen eng zusammen, wobei einige Berufsgruppen besonders wichtig sind:
Architekt:innen – Hauptverantwortliche für die Grundlagenermittlung und Koordination
Bauingenieur:innen – für technische Grundlagen bei Infrastruktur- und Ingenieurbauwerken
Stadtplaner:innen – bei städtebaulichen Projekten und Standortuntersuchungen
TGA-Fachplaner:innen – erste Einschätzungen zu Gebäudetechnik und Energiebedarf
Geotechniker:innen / Gutachter:innen – z. B. für Bodenbeschaffenheit oder Altlasten
Projektentwickler:innen / Wirtschaftsexpert:innen – für Kosten- und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen
Weiterbildung & Zusatzqualifikationen
Fachkräfte, die in der LPH 1 arbeiten, können ihre Kompetenzen durch Weiterbildungen vertiefen:
BIM-Grundlagen (digitale Modellierung ab der Grundlagenermittlung)
Zertifikatskurse Bauprojektmanagement
Fachseminare HOAI / VOB – rechtssichere Anwendung von Vorschriften
Nachhaltigkeits- und Energiezertifikate (DGNB, Energieberater)
Quereinstiegsmöglichkeiten
Ein Quereinstieg in Tätigkeiten der LPH 1 ist möglich für:
Bauleiter:innen oder Techniker:innen, die ein ergänzendes Studium absolvieren
Projektmanager:innen, die in Bauentwicklungen wechseln
Wirtschaftsingenieur:innen, die sich auf Bauprojekte spezialisieren
Anforderungen im Alltag
Die Arbeit in der LPH 1 verlangt eine Mischung aus technischem Verständnis, rechtlicher Sicherheit und Kommunikationsfähigkeit. Fachkräfte müssen die Projektgrundlagen nicht nur erfassen, sondern auch mit den Vorstellungen der Bauherr:innen abgleichen. Das bedeutet, sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen technischer Machbarkeit, Kostenrahmen und rechtlichen Vorgaben.
Zentrale Anforderungen:
Kenntnisse im Bau- und Planungsrecht (HOAI, BauGB, LBO)
Fähigkeit zur Analyse von Bedarfen – sowohl funktional als auch wirtschaftlich
Sicherer Umgang mit Gutachten und Bestandsdaten (z. B. Altlasten, Boden, Gebäudebestand)
Kommunikationsstärke zur Moderation zwischen Bauherr:innen, Behörden und Fachplanern
Projektorganisation: erste Terminrahmen und Kostenrahmen definieren
Verantwortungsbewusstsein, da Versäumnisse in dieser Phase den gesamten Projektverlauf beeinflussen
Flexibilität, da in der Grundlagenermittlung oft mehrere Varianten durchgespielt werden
Zusammenarbeit im Projektumfeld
In der LPH 1 kommen die ersten Projektakteure zusammen. Die Zusammenarbeit ist hier stark auf Abstimmungen und Koordination ausgerichtet.
Rolle | Zusammenarbeit bei… |
Bauherr:innen / Auftraggeber | Definition der Projektziele und Prioritäten |
Architekt:innen | Grundlagenermittlung, erste Konzepte |
Bauingenieur:innen | technische Machbarkeit, Kostenrahmen |
Fachplaner:innen (TGA, Statik, Brandschutz) | Bedarfsermittlung, erste Einschätzungen |
Gutachter:innen | Boden, Altlasten, Umwelt, Denkmalschutz |
Behörden | erste Bauvoranfragen, rechtliche Klärungen |
Häufig beteiligte Unternehmen in LPH 1
In der Grundlagenermittlung sind typischerweise folgende Unternehmen und Institutionen beteiligt:
Architekturbüros – z. B. HPP Architekten (Düsseldorf) oder gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg)
Ingenieurbüros für Bauwesen – etwa Schüßler-Plan (Düsseldorf) oder WSP Infrastructure Engineering (München)
Fachingenieurbüros (TGA, Brandschutz, Bauphysik, Tragwerksplanung) – z. B. Drees & Sommer (Stuttgart) oder ILF Consulting Engineers (München)
Gutachter- und Sachverständigenbüros – wie Arcadis Germany (Darmstadt) für Umwelt- und Bodengutachten oder IGS Ingenieure (Nürnberg)
Projektentwicklungsfirmen – etwa Hochtief Projektentwicklung (Essen) oder Ed. Züblin AG (Stuttgart)
Immobiliengesellschaften – z. B. Vonovia (Bochum) oder Deutsche Wohnen (Berlin)
öffentliche Bauämter / Stadtverwaltungen – wie das Bau- und Planungsreferat München oder die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin
Arbeitsbedingungen
Die Arbeit in der LPH 1 unterscheidet sich von den späteren Phasen: sie ist stärker konzeptionell und analytisch geprägt.
Einsatzort: überwiegend Büro und Besprechungen, ergänzt durch erste Ortstermine
Arbeitszeit: regulär, Projektspitzen meist unkritisch in dieser Phase
Arbeitsweise: geprägt von Analysen, Workshops und Koordination
Verantwortung: hoch, da die Grundlagenermittlung die Basis für das gesamte Projekt bildet
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Gehalt (Stand 2025)
Das Einkommen in der LPH 1 orientiert sich am Tätigkeitsfeld (Architektur, Ingenieurbüro, Projektentwicklung) sowie an Erfahrung und Unternehmensgröße.
Bruttogehalt – Festanstellung:
Erfahrungsstufe | Brutto / Jahr (€) |
Berufseinstieg (Architekt:in / Bauing.) | ca. 40.000 – 48.000 € |
mit 3–5 Jahren Erfahrung | ca. 49.000 – 60.000 € |
erfahrene Fachkräfte | ca. 61.000 – 72.000 € |
Senior-Planer:innen / Projektleiter | ca. 73.000 – 85.000 € |
Zusatzleistungen & Extras:
Weiterbildung im Bereich Projektmanagement oder BIM
Betriebliche Altersvorsorge
Homeoffice-Möglichkeiten (bei Konzeptarbeit verbreitet)
Bonuszahlungen bei Projektakquise oder erfolgreichen Projektstarts
Engpass bei Fachkräften
Die LPH 1 ist in der Baupraxis unverzichtbar, da hier die Grundlagen jedes Projekts gelegt werden. Doch gerade in dieser Phase wird der Mangel an qualifizierten Architekt:innen, Ingenieur:innen und Fachplaner:innen besonders deutlich. Immer weniger Absolvent:innen entscheiden sich für den Berufseinstieg in klassische Planungsbüros, während gleichzeitig die Nachfrage nach Bauprojekten steigt.
Ursachen für den Fachkräftemangel
Demografischer Wandel: Viele erfahrene Planer:innen gehen in den Ruhestand.
Nachwuchsprobleme: Architektur- und Bauingenieurwesen-Studiengänge verzeichnen rückläufige Zahlen.
steigende Komplexität: Nachhaltigkeit, Digitalisierung (BIM) und rechtliche Vorgaben erhöhen den Qualifikationsbedarf.
Konkurrenz durch andere Branchen: Ingenieur:innen wechseln in besser bezahlte Felder wie IT oder Industrie.
Zeitintensive Ausbildung: lange Studienzeiten bei gleichzeitigem Kostendruck im Arbeitsmarkt.
Auswirkungen auf Unternehmen & Projekte
Fehlende Fachkräfte in der LPH 1 haben weitreichende Folgen:
Verzögerungen bei der Projektinitiierung, da Grundlagenermittlungen länger dauern.
Kostensteigerungen, weil externe Spezialbüros hinzugezogen werden müssen.
Qualitätsrisiken, wenn Projektziele nicht ausreichend klar definiert werden.
Überlastung vorhandener Mitarbeiter:innen, die mehrere Projekte gleichzeitig betreuen.
Besonders betroffen sind Unternehmen wie Architekturbüros (z. B. HPP Architekten, gmp) oder Ingenieurbüros (z. B. Schüßler-Plan, WSP), die große Infrastruktur- und Hochbauprojekte planen.
Chancen für Fachkräfte
Für Architekt:innen, Ingenieur:innen und Fachplaner:innen, die sich in der Grundlagenermittlung spezialisieren, ergeben sich attraktive Perspektiven:
hohe Arbeitsplatzsicherheit durch langfristig steigenden Bedarf
abwechslungsreiche Projekte, von Wohnungsbau über Infrastruktur bis hin zu Industriebauten
attraktive Gehälter für spezialisierte Fachkräfte, die Verantwortung übernehmen
Karrierechancen in Richtung Projektleitung oder Büro-/Bereichsleitung
Gestaltungsspielraum, da in der LPH 1 die Weichen für Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit gestellt werden
Was TOPEOPLE bietet
Für Unternehmen: TOPEOPLE unterstützt Architektur- und Ingenieurbüros sowie Bauherren bei der gezielten Besetzung von Positionen im Bereich Grundlagenermittlung – mit Fachkräften, die Erfahrung in LPH 0 und LPH 1 mitbringen.
Für Fachkräfte: TOPEOPLE begleitet Architekt:innen, Bauingenieur:innen und Projektentwickler:innen auf ihrem Karriereweg und vermittelt sie in spannende Projekte mit langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten.
Fazit
Die Leistungsphase 1 ist ein zentraler Baustein in jedem Bauprojekt. Sie schafft Klarheit über Ziele, Rahmenbedingungen und Machbarkeit – und bildet die Basis für alle weiteren Phasen. Ohne eine sorgfältige Grundlagenermittlung sind Kostensteigerungen, Verzögerungen und Planungsfehler fast vorprogrammiert.
In Zeiten von Fachkräftemangel, wachsender Projektnachfrage und steigenden Anforderungen gewinnt diese Phase weiter an Bedeutung. Für Fachkräfte bietet die Spezialisierung auf die LPH 1 spannende Karrierechancen und hohe Zukunftssicherheit.
