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Leistungsphase 9

Die Leistungsphase 9 (Objektbetreuung & Dokumentation) ist die letzte Phase nach der HOAI und umfasst die Betreuung eines Bauwerks nach seiner Fertigstellung. Sie dient dazu, die Qualität und Funktionalität des Projekts langfristig sicherzustellen. Im Mittelpunkt steht die Überprüfung von Mängeln, die Begleitung von Gewährleistungsfristen sowie die Dokumentation der gesamten Bau- und Planungsunterlagen.


Damit schließt LPH 9 den Bauprozess offiziell ab und gewährleistet, dass Bauherr:innen auch nach der Abnahme Unterstützung erhalten.

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Inhalte der LPH 9


  • Objektbetreuung während der Gewährleistungszeit

  • Überwachung der Beseitigung von Mängeln

  • Regelmäßige Begehungen des Bauwerks zur Funktionsprüfung

  • Dokumentation des Projekts (Pläne, Nachweise, Prüfprotokolle, Bauakten)

  • Bewertung von Schäden und Folgekosten

  • Empfehlungen zur Instandhaltung und Wartung

  • Abschlussgespräch mit dem Bauherrn



Typische Einsatzbereiche

Die LPH 9 betrifft alle Bauprojekte, von Wohnhäusern über Industriebauten bis hin zu Großinfrastrukturprojekten. Besonders bei öffentlichen Projekten, wo Dokumentation und Gewährleistungsverfolgung eine große Rolle spielen, ist diese Phase unverzichtbar.



Bedeutung für den Projekterfolg

Die LPH 9 ist wichtig, da sie:

  • den ordnungsgemäßen Abschluss eines Bauprojekts sicherstellt,

  • Mängel und Schäden frühzeitig erkennt und behebt,

  • Bauherr:innen bei der Nutzung und Wartung unterstützt,

  • die Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Gebäuden und Anlagen schafft.



Abgrenzung zu anderen Phasen
  • LPH 8 (Objektüberwachung): Kontrolle der Bauausführung bis zur Abnahme.

  • LPH 9 (Objektbetreuung): Betreuung und Dokumentation nach der Abnahme.



Exkurs: Inoffizielle „Leistungsphase 10“

Obwohl die HOAI nur 9 Leistungsphasen kennt, sprechen manche Unternehmen von einer „Leistungsphase 10“. Diese ist nicht offiziell normiert, wird aber in der Praxis genutzt, um zusätzliche Leistungen zu beschreiben,

z. B.:

  • Facility Management (laufende Betreuung im Gebäudebetrieb)

  • Lebenszyklusbetrachtungen von Bauwerken

  • Langfristige Wartungs- und Modernisierungsstrategien

  • Nachhaltigkeits- und Energie-Monitoring


Damit grenzt sich die „LPH 10“ klar von der klassischen Objektbetreuung ab und bildet eher den Übergang vom Bauprojekt zum Gebäudemanagement.

Klassische Ausbildungs- und Studienwege


Die Objektbetreuung und Dokumentation erfordert Fachkräfte, die technisches Wissen mit organisatorischen und rechtlichen Kompetenzen verbinden. Der Zugang erfolgt überwiegend über akademische Wege, ergänzt durch praxisorientierte Spezialisierungen.


  • Studium (klassischer Weg):

    • Bauingenieurwesen (Bachelor/Master) – Spezialisierungen in Baubetrieb, Bauwirtschaft, Bauwerkserhaltung

    • Architektur (Bachelor/Master) – Fokus auf Nachbetreuung und Dokumentation im Hochbau

    • Wirtschaftsingenieurwesen Bau – Kosten- und Lebenszyklusmanagement

    • Facility Management / Immobilienmanagement – mit Bezug auf Betrieb und Instandhaltung

    • Technische Gebäudeausrüstung (TGA) – Betreuung von haustechnischen Anlagen nach Fertigstellung


  • Praxisorientierte Wege:

    • Bautechniker:innen mit Weiterbildung in Bauwerkserhaltung und Dokumentation

    • Meister:innen aus dem Bauhauptgewerbe mit Fokus auf Mängelmanagement

    • Facility-Manager:innen, die in die Objektbetreuung nach HOAI einsteigen



Voraussetzungen

Für Tätigkeiten in der LPH 9 sind folgende Kompetenzen entscheidend:

  • Kenntnisse im Bau- und Vertragsrecht (VOB/B, HOAI, Gewährleistungsrecht)

  • Technisches Verständnis für Baukonstruktionen, Materialien und technische Anlagen

  • Fähigkeit zur Mängelerkennung und -bewertung

  • Dokumentationskompetenz, um Bauakten, Protokolle und Nachweise zu führen

  • Kommunikationsstärke für Abstimmungen mit Bauherr:innen, Fachplaner:innen und Unternehmen

  • Nachhaltigkeitsverständnis, um Wartung und Lebenszyklusoptimierungen zu begleiten



Bildungseinrichtungen & Hochschulen

In Deutschland gibt es verschiedene Hochschulen und Institute, die Qualifikationen im Bereich Bauwerkserhaltung, Dokumentation und Facility Management vermitteln:

Ort / Region

Bildungsträger / Hochschule

Angebot

Aachen

RWTH Aachen

Bauingenieurwesen, Baubetrieb, Facility Management

Berlin

TU Berlin

Architektur, Bauingenieurwesen, Immobilienmanagement

München

TU München (TUM)

Bauwirtschaft, Facility Management

Weimar

Bauhaus-Universität Weimar

Bauwerkserhaltung, Bauprojektmanagement

Stuttgart

Universität Stuttgart

Bauingenieurwesen, Bauwerkserhaltung

Hamburg

HafenCity Universität (HCU)

Architektur, Facility Management

praxisorientiert

IHK & Handwerkskammern

Lehrgänge Bauwerksinstandhaltung, Dokumentation

spezialisiert

DB Training, Learning & Consulting

Bauwerksmonitoring & Instandhaltungsstrategien



Häufig beteiligte Berufe in LPH 9

  • Architekt:innen – Betreuung von Hochbauprojekten nach Fertigstellung

  • Bauingenieur:innen – Dokumentation und Mängelmanagement im Ingenieurbau

  • TGA-Fachplaner:innen – Überwachung der Funktion von haustechnischen Anlagen

  • Facility-Manager:innen – Schnittstelle zwischen Bauprojekt und Gebäudebetrieb

  • Projektmanager:innen – Koordination von Dokumentation und Abnahmen

  • Sachverständige / Gutachter:innen – Bewertung von Mängeln, Schäden und Folgekosten



Weiterbildung & Zusatzqualifikationen

  • Zertifikatslehrgänge Facility Management

  • Fortbildungen zu Gewährleistungsrecht und Nachtragsmanagement

  • Seminare zur Bauwerksdiagnostik und Instandhaltung

  • BIM-gestützte Dokumentation und Monitoring

  • Fachseminare Nachhaltigkeit & Lebenszyklusmanagement



Anforderungen im Alltag

Die Objektbetreuung ist die Phase, in der Bauwerke im laufenden Betrieb begleitet werden. Fachkräfte in LPH 9 müssen technische Mängel erkennen, dokumentieren und deren Beseitigung koordinieren. Gleichzeitig sind sie Ansprechpartner:innen für Bauherr:innen und Nutzer:innen.


Zentrale Anforderungen:

  • Regelmäßige Objektbegehungen zur Kontrolle auf Schäden oder Funktionsmängel

  • Dokumentation und Archivierung aller relevanten Bauunterlagen

  • Mängelmanagement: Erfassung, Bewertung und Nachverfolgung

  • Kommunikation mit Bauunternehmen und Fachplaner:innen, um Nachbesserungen umzusetzen

  • Bewertung von Schäden und deren Kostenfolgen

  • Empfehlungen zu Instandhaltung und Wartung für Bauherr:innen

  • Langfristige Perspektive, da Entscheidungen in LPH 9 Einfluss auf den gesamten Lebenszyklus haben



Zusammenarbeit im Projektumfeld

Die Objektbetreuung bringt verschiedene Akteure an einen Tisch, da hier die Übergabe vom Bauprojekt zum Gebäudebetrieb erfolgt.

Rolle

Zusammenarbeit bei…

Bauherr:innen / Auftraggeber

Abnahme, Gewährleistung, Langzeitbetreuung

Architekt:innen

Kontrolle gestalterischer und funktionaler Qualität

Bauingenieur:innen

Bewertung konstruktiver Schäden, Bauwerkserhaltung

TGA-Fachplaner:innen

Betreuung der technischen Anlagen im Betrieb

Facility-Manager:innen

Übernahme in den Gebäudebetrieb

Sachverständige / Gutachter:innen

Mängelbewertung und Schadensdiagnostik

Bauunternehmen

Nachbesserungen während der Gewährleistungszeit



Häufig beteiligte Unternehmen in LPH 9

An der Objektbetreuung und Dokumentation sind u. a. beteiligt:

  • Architekturbüros: HENN Architekten (München), gmp Architekten (Hamburg)

  • Ingenieurbüros: Schüßler-Plan (Düsseldorf), WSP Infrastructure Engineering (München)

  • Projektentwickler: Drees & Sommer (Stuttgart), Goldbeck (Bielefeld)

  • Facility-Management-Unternehmen: STRABAG Property and Facility Services (Frankfurt), Apleona (Neu-Isenburg)

  • Öffentliche Auftraggeber: Deutsche Bahn AG (Berlin), Stadt München – Baureferat



Arbeitsbedingungen

Die Tätigkeit in LPH 9 ist weniger baustellenorientiert, sondern stark von Organisation, Kommunikation und Dokumentation geprägt:

  • Einsatzort: Büroarbeit und Objektbegehungen im Wechsel

  • Arbeitsweise: systematisch, langfristig, auf Gewährleistung und Nachhaltigkeit ausgerichtet

  • Zeitdruck: moderat, dafür hoher Dokumentationsaufwand

  • Verantwortung: hoch, da Entscheidungen die Lebensdauer und Instandhaltungskosten beeinflussen



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Gehalt (Stand 2025)


Die Gehälter in der Objektbetreuung bewegen sich im guten Mittelfeld, abhängig von Projektgröße und Verantwortungsumfang.

Erfahrungsstufe

Brutto / Jahr (€)

Berufseinstieg (Bauing./Architekt:in)

ca. 45.000 – 55.000 €

mit 3–5 Jahren Erfahrung

ca. 56.000 – 70.000 €

erfahrene Fachkräfte

ca. 71.000 – 85.000 €

Senior-Projektleiter:innen

ca. 86.000 – 100.000 €


Zusatzleistungen & Extras:

  • Firmenwagen oder Mobilitätsbudget (für Objektbegehungen)

  • Bonuszahlungen bei erfolgreicher Gewährleistungsabwicklung

  • Betriebliche Altersvorsorge

  • Weiterbildung in Facility-Management und Bauwerkserhaltung

  • Flexible Arbeitszeitmodelle, häufig Homeoffice-Anteile



Engpass bei Fachkräften

Die Objektbetreuung (LPH 9) leidet zunehmend unter Fachkräftemangel. Besonders Bauleiter:innen, Architekt:innen, Ingenieur:innen und Facility-Manager:innen fehlen, um Gewährleistungsfristen, Mängelmanagement und Bauwerksdokumentation zuverlässig abzuwickeln. Oftmals werden diese Aufgaben im Alltag zwischen Planungsteams und Betrieb aufgeteilt, was ohne ausreichend qualifiziertes Personal zu Lücken in der Betreuung und Fehlern in der Dokumentation führt.



Ursachen für den Fachkräftemangel

  • Demografischer Wandel – viele erfahrene Bauingenieur:innen verlassen den Beruf.

  • Nachwuchsdefizite – wenige Studierende spezialisieren sich auf Bauwerksbetreuung oder Facility Management.

  • Attraktivitätsproblem – LPH 9 gilt oft als „weniger spannend“ im Vergleich zu Bauleitung oder Planung.

  • Komplexere Anforderungen – Nachhaltigkeit, BIM-Dokumentation und Lebenszyklusbetrachtungen steigern den Personalbedarf.



Auswirkungen auf Projekte & Unternehmen

  • Unvollständige Dokumentationen, die später Probleme in Betrieb und Instandhaltung verursachen.

  • Mängel bleiben länger bestehen, da ihre Bearbeitung nicht konsequent verfolgt wird.

  • Steigende Instandhaltungskosten, wenn Schäden zu spät erkannt oder bewertet werden.

  • Unsicherheiten im Betrieb, insbesondere bei großen Infrastruktur- oder Immobilienprojekten.


Betroffen sind insbesondere Architekturbüros (z. B. HENN, gmp), Ingenieurbüros (z. B. Schüßler-Plan, WSP) sowie Facility-Management-Unternehmen (z. B. Apleona, STRABAG PFS).



Chancen für Fachkräfte

Für Fachkräfte eröffnet die LPH 9 spannende Perspektiven:

  • Arbeitsplatzsicherheit, da die Nachbetreuung gesetzlich vorgeschrieben ist.

  • Attraktive Gehälter im Facility Management und Bauwerksmonitoring.

  • Interdisziplinäre Arbeit an der Schnittstelle zwischen Bauwesen, Betrieb und Recht.

  • Karrierewege in Bauwerksdiagnostik, Immobilienmanagement oder Projektleitung.

  • Spezialisierungen im Bereich Nachhaltigkeit, Lebenszyklusbetrachtung und BIM-Dokumentation.



Was TOPEOPLE bietet

  • Für Unternehmen: TOPEOPLE unterstützt Architekturbüros, Ingenieurbüros, Bauunternehmen und Facility-Management-Dienstleister bei der Besetzung von Schlüsselpositionen für Bauwerksbetreuung und Dokumentation.


  • Für Fachkräfte: TOPEOPLE begleitet Architekt:innen, Ingenieur:innen und Facility-Manager:innen beim Karriereschritt in die Objektbetreuung und vermittelt sie in Projekte mit langfristigen Entwicklungsperspektiven.



Fazit


Die Leistungsphase 9 stellt den formalen Abschluss eines Bauprojekts dar und ist für Mängelverfolgung, Gewährleistung und Dokumentation unverzichtbar. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind Expert:innen hier besonders gefragt.


Manche Unternehmen gehen noch weiter und definieren eine „LPH 10“, die über die klassische Betreuung hinausgeht. Sie umfasst Leistungen wie Facility Management, Nachhaltigkeitsmonitoring oder Lebenszyklusbetrachtungen. Damit wird deutlich: Bauprojekte enden nicht mit der Übergabe – sondern gehen fließend in die Nutzungs- und Betriebsphase über.

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