Leistungsphase 2
Die Leistungsphase 2 (Vorplanung) ist nach HOAI der Schritt, in dem aus den Ergebnissen der Grundlagenermittlung (LPH 1) erste Projektkonzepte und Lösungsvorschläge entwickelt werden. Während in der LPH 1 noch grundlegende Ziele und Rahmenbedingungen geklärt wurden, geht es in der LPH 2 darum, die ersten technischen, gestalterischen und wirtschaftlichen Ansätze zu erarbeiten und in eine belastbare Vorplanung zu überführen.
Die Vorplanung stellt somit die erste inhaltliche Konkretisierung des Projekts dar. Sie dient dazu, eine klare Entscheidungsgrundlage für den Bauherrn zu schaffen und die weitere Planung (LPH 3 – Entwurfsplanung) vorzubereiten.

Inhalte der LPH 2
Analyse und Bewertung der Grundlagen aus LPH 1
Erarbeitung von Planungskonzepten (mehrere Varianten, technische und gestalterische Ansätze)
Integration der Fachplanungen (Statik, TGA, Brandschutz, Bauphysik) in die ersten Konzepte
Abstimmungen mit Behörden und ersten Genehmigungsstellen
Erstellung einer Kostenschätzung nach DIN 276 (erste grobe Zahlen)
Terminübersicht mit vorläufigem Zeitplan
Darstellung der Vorzugsvariante in Form von Skizzen, Plänen und Berechnungen
Beratung des Bauherrn hinsichtlich Qualität, Kosten, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Typische Einsatzbereiche
Die LPH 2 wird in allen Bauprojekten angewendet, insbesondere bei:
Wohnungs- und Gewerbebau – Entwicklung erster Grundrissvarianten, Gebäudekonzepte
Infrastrukturprojekten – Straßen, Schienen oder Brücken mit ersten Trassenvarianten
Sanierungs- und Umbauprojekten – Analyse bestehender Strukturen, erste Konzepte für Umbauten
Großprojekte – Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude oder Industrieanlagen mit komplexen Anforderungen
Relevanz für den Projekterfolg
Die Leistungsphase 2 ist entscheidend, weil sie:
den Übergang von abstrakten Projektzielen zu konkreten Lösungen bildet,
eine Vergleichbarkeit von Varianten ermöglicht,
durch die erste Kostenschätzung eine wichtige Grundlage für Budgetentscheidungen schafft,
das Risiko von Fehlentscheidungen in späteren Phasen reduziert,
die Planungssicherheit für Bauherr und Projektbeteiligte verbessert.
Abgrenzung zu LPH 1 und LPH 3
LPH 1 (Grundlagenermittlung): Sammlung von Anforderungen, Rahmenbedingungen und Zielen.
LPH 2 (Vorplanung): Entwicklung erster Varianten, technische und wirtschaftliche Bewertung.
LPH 3 (Entwurfsplanung): Konkretisierung und Ausarbeitung der Vorzugsvariante zu einem detaillierten Entwurf.
Klassische Ausbildungs- und Studienwege
Die Arbeit in der Vorplanung setzt in der Regel ein abgeschlossenes Studium voraus, da hier konzeptionelle und interdisziplinäre Planungsleistungen gefragt sind.
Studium (klassischer Weg):
Architektur (Bachelor/Master) – Schwerpunkt Entwurf, Gestaltung und Baukonzepte
Bauingenieurwesen – insbesondere für Infrastruktur-, Brücken- oder Tiefbauprojekte
Stadt- und Raumplanung – für Projekte mit städtebaulichem Bezug oder Trassenplanung
Technische Gebäudeausrüstung (TGA) – für erste Vorplanungen in Haustechnik, Energie und Klima
Bauphysik und Brandschutz – für nachhaltige und sichere Gebäudekonzepte
Wirtschaftsingenieurwesen Bau – zur Unterstützung bei Kosten- und Wirtschaftlichkeitsanalysen
Weiterbildungswege (praxisorientiert):
Bautechniker:in mit Spezialisierung Bauplanung
Bauzeichner:in mit anschließender Weiterbildung oder Studium
Fachingenieur:innen, die sich über Zertifikate im Bereich Projektentwicklung weiterqualifizieren
Voraussetzungen
Fachkräfte in der LPH 2 benötigen eine Mischung aus technischem Wissen, Kreativität und Organisation.
Entwurfs- und Konzeptionsfähigkeit (Architektur, Baukonstruktion)
rechtliche Kenntnisse (BauGB, LBO, DIN-Normen)
Kenntnisse in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz (DGNB, EnEV, GEG)
Kosten- und Terminverständnis für erste Wirtschaftlichkeitsanalysen
Kommunikationsstärke für Abstimmungen mit Bauherr:innen, Behörden und Fachplanern
digitale Kompetenzen (BIM, CAD, Simulationssoftware)
Bildungseinrichtungen & Hochschulen
In Deutschland bieten zahlreiche Hochschulen und Bildungseinrichtungen Studiengänge und Weiterbildungen an, die für Tätigkeiten in der LPH 2 qualifizieren:
Ort / Region | Bildungsträger / Hochschule | Angebot |
Aachen | RWTH Aachen | Bauingenieurwesen, Architektur |
Berlin | TU Berlin | Architektur, Stadt- und Regionalplanung |
München | TU München (TUM) | Bauingenieurwesen, Architektur, Bauphysik |
Weimar | Bauhaus-Universität Weimar | Architektur, Urbanistik |
Stuttgart | Universität Stuttgart | Architektur, Bauphysik, TGA |
Darmstadt | TU Darmstadt | Architektur, Bau- und Umweltingenieurwesen |
praxisorientiert | IHK & Handwerkskammern | Seminare zu HOAI, Bauprojektmanagement |
branchenbezogen | DB Training, Learning & Consulting | Vorplanungs- und Projektmanagement-Kurse im Infrastrukturbau |
Häufig beteiligte Berufe in LPH 2
Architekt:innen – Hauptverantwortliche für Entwürfe und Konzeptskizzen
Bauingenieur:innen – Prüfung technischer Machbarkeit, Infrastrukturplanung
TGA-Fachplaner:innen – für erste Konzepte zur Energie- und Haustechnik
Tragwerksplaner:innen – statische Vorkonzepte für Bauwerke und Brücken
Brandschutz- und Bauphysiker:innen – frühe Konzepte für Sicherheit und Nachhaltigkeit
Stadtplaner:innen – städtebauliche Einbindung, Flächenkonzepte
Projektentwickler:innen – Wirtschaftlichkeitsbewertung, Machbarkeitsstudien
Weiterbildung & Zusatzqualifikationen
BIM-Management und Modellierung
Nachhaltigkeits- und Energiezertifikate (z. B. DGNB)
Zertifikatslehrgänge Bauprojektmanagement
Seminare zu VOB und HOAI
Software-Schulungen (AutoCAD, Revit, Allplan, ArchiCAD, Tekla)
Anforderungen im Alltag
Die Tätigkeit in der Vorplanung (LPH 2) erfordert eine Balance aus technischer Kompetenz, Kreativität und organisatorischem Denken. Fachkräfte müssen in der Lage sein, mehrere Varianten zu entwickeln, kritisch zu vergleichen und dem Bauherrn zu präsentieren.
Zentrale Anforderungen:
Konzeptionsstärke – Entwicklung mehrerer Varianten für Gestaltung und Technik
Technisches Wissen – erste statische und bauphysikalische Vorkonzepte
Kosten- und Terminsicherheit – Erstellung einer belastbaren Kostenschätzung nach DIN 276
Rechtliche Kenntnisse – Einordnung von BauGB, LBO, HOAI
Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit – Vermittlung komplexer Zusammenhänge an Bauherr:innen und Behörden
Digitalisierungskompetenz – Nutzung von BIM, CAD und Simulationssoftware
Flexibilität, da Vorplanungen oft angepasst oder komplett verworfen werden
Zusammenarbeit im Projektumfeld
Rolle | Zusammenarbeit bei… |
Bauherr:innen / Auftraggeber | Entscheidungsvorlagen, Kosten- und Terminabgleich |
Architekt:innen | Entwicklung von Vorentwürfen und Konzeptplänen |
Bauingenieur:innen | Machbarkeit von Infrastruktur- und Tragwerkslösungen |
TGA-Fachplaner:innen | Integration erster Konzepte zu Energie, Klima, Wasser |
Brandschutz- und Bauphysiker:innen | Einbau von Sicherheits- und Nachhaltigkeitsaspekten |
Behörden | Vorabklärungen zu Genehmigungsfähigkeit, Bauvoranfragen |
Häufig beteiligte Unternehmen in LPH 2
Architekturbüros – z. B. HENN Architekten (München) oder gmp Architekten (Hamburg)
Ingenieurbüros – etwa Schüßler-Plan (Düsseldorf) oder WSP Infrastructure Engineering (München)
Projektentwickler – wie Ed. Züblin Projektentwicklung (Stuttgart) oder Hochtief Projektentwicklung (Essen)
Fachplanungsbüros TGA – z. B. Drees & Sommer (Stuttgart) oder ILF Consulting Engineers (München)
Gutachter & Bauphysiker – wie Arcadis Germany (Darmstadt) oder IGS Ingenieure (Nürnberg)
Öffentliche Auftraggeber – z. B. Bau- und Planungsreferat München oder Deutsche Bahn AG (Infrastrukturprojekte)
Arbeitsbedingungen
Die Arbeit in der LPH 2 ist stark durch konzeptionelles Arbeiten geprägt:
Einsatzort: überwiegend Büro, ergänzt durch Besprechungen und erste Ortstermine
Arbeitsweise: iterative Prozesse – mehrere Varianten werden entwickelt, geprüft und verworfen
Zeitdruck: in dieser Phase moderat, jedoch hoher Anspruch an Präzision und Klarheit
Verantwortung: hoch, da Vorentscheidungen langfristige Auswirkungen auf Kosten und Machbarkeit haben
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Gehalt (Stand 2025)
Erfahrungsstufe | Brutto / Jahr (€) |
Berufseinstieg (Architekt:in / Bauing.) | ca. 42.000 – 50.000 € |
mit 3–5 Jahren Erfahrung | ca. 51.000 – 62.000 € |
erfahrene Fachkräfte | ca. 63.000 – 75.000 € |
Senior-Planer:innen / Projektleiter | ca. 76.000 – 90.000 € |
Zusatzleistungen & Extras:
Weiterbildungen (BIM, Nachhaltigkeit, Projektmanagement)
Betriebliche Altersvorsorge
Bonuszahlungen bei Projektakquise oder Wettbewerbserfolgen
Flexible Arbeitsmodelle (Homeoffice, Gleitzeit)
Engpass bei Fachkräften
Die Vorplanung (LPH 2) erfordert hochqualifizierte Architekt:innen, Bauingenieur:innen und Fachplaner:innen. Doch gerade hier wird der Fachkräftemangel besonders deutlich: zu wenig Nachwuchs, steigende Anforderungen durch Nachhaltigkeit, Digitalisierung und BIM sowie eine Alterung der Belegschaft führen zu Engpässen.
Ursachen für den Fachkräftemangel
Demografischer Wandel: Viele erfahrene Planer:innen gehen in den Ruhestand.
Nachwuchsprobleme: Architektur- und Bauingenieurwesen-Studiengänge verlieren an Attraktivität.
Hohe Anforderungen: Nachhaltigkeitsstandards (DGNB, EU-Taxonomie) und Digitalisierung erhöhen den Qualifikationsdruck.
Konkurrenz durch andere Branchen: Bauingenieur:innen wechseln in die Industrie oder IT.
Komplexität der Aufgaben: Vorplanung erfordert interdisziplinäre Koordination, was zusätzliche Erfahrung voraussetzt.
Auswirkungen auf Projekte & Unternehmen
Projektverzögerungen, da Vorplanungen länger dauern oder extern vergeben werden müssen
Kostensteigerungen durch Engpässe bei qualifizierten Planungsbüros
Qualitätsrisiken, wenn Varianten nicht ausreichend durchdacht werden
Überlastung bestehender Teams, die parallel mehrere Projekte betreuen müssen
Chancen für Fachkräfte
Sichere Arbeitsplätze in Architekturbüros, Ingenieurbüros und Projektentwicklungsfirmen
Überdurchschnittliche Gehälter bei Spezialisierung auf komplexe Vorplanungen
Vielfältige Projekte von Wohnungsbau bis Infrastruktur-Großprojekte
Karrierechancen bis hin zu Projekt- oder Abteilungsleitung
Gestaltungsspielraum, da in der LPH 2 zentrale Entscheidungen über Qualität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit fallen
Was TOPEOPLE bietet
Für Unternehmen: TOPEOPLE unterstützt Architekturbüros, Ingenieurbüros und Projektentwickler bei der gezielten Besetzung von Schlüsselpositionen in der Vorplanung. Durch Zugang zu qualifizierten Fachkräften wird eine stabile Projektbasis geschaffen.
Für Fachkräfte: TOPEOPLE begleitet Architekt:innen, Ingenieur:innen und Fachplaner:innen bei ihrem nächsten Karriereschritt, vermittelt sie in spannende Vorplanungsprojekte und sorgt für langfristige Entwicklungsperspektiven.
Fazit
Die Leistungsphase 2 (Vorplanung) ist das strategische Herzstück eines Bauprojekts. Hier werden Varianten geprüft, Kosten geschätzt und erste Genehmigungsfragen geklärt – also die Grundlagen für alle weiteren Planungsschritte gelegt.
Angesichts des Fachkräftemangels gewinnen Expert:innen in dieser Phase stark an Bedeutung. Für Fachkräfte bietet die LPH 2 attraktive Karrierechancen, hohe Arbeitsplatzsicherheit und spannende Projekte, während Unternehmen dringend auf Unterstützung bei der Besetzung dieser Schlüsselpositionen angewiesen sind.
